Datenschützerinnen und Schönheitschirurgen begeistern

Die Dramatischen Vier als Schönheitschirurgen und ihr Patient Klaus Bach waren ein Highlight des Narrenspiegels der Poppele-Zunft.

Furioser Narrenspiegel dreht nach der Pause auf Singen. Kaum zu glauben, dass die Datenschutzgrundverordung so witzig sein kann. Doch zwei Dutzend Papptüten, ein unnachahmliches Mienenspiel und Stehgreifcomedy der Extraklasse – mehr brauchte es nicht, damit »Die Zwei Damen« dem Publikum beim Narrenspiegel der Poppele-Zunft in der fast vollbesetzten Stadthalle eine Lachsalve nach der anderen bescherten. Auf Geheiß der beiden Datenschützerinnen streiften sich dabei die Prominenz des Abends von Landrat Frank Hämmerle, Oberbürgermeister Bernd Häusler bis zu Dr. Gerd Springe und Udo Klopfer aus Gründen der DGSVO die Papptüten übers Gesicht. Beileibe nicht das einzige Highlight des Abends, bei dem der Narrenspiegel gerade im zweiten Teil immer mehr an Fahrt aufnahm. Unvergesslich der Auftritt der Dramatischen Vier als Schönheitschirurgen, die neben ihrem A-capella-Gesang mit Reimen und schauspielerischem Können brillierten und aufzeigten, wie sie den Gemeinderat etwa einem »Schorleglashalter an der Hüfte« verschönern und dem OB wie seinem Vorvorgänger Haare transplantieren wollen. Stargast Klaus Bach als ihr Patient hatte schon zuvor mit einer Mopedfahrt über die Bühne für Aufsehen gesorgt. Viele Wirkungstreffer erzielten die bestens aufgelegten Fidele und Nazi mit ihren Pointen als Gemeinderatskandidaten vor dem tollen neuen Bühnenbild von Gero Hellmuth, dass die Fahrradstraße in Singen zum Thema hat. So fragte das Paar, was von ISEK 2030 umgesetzt sei – »klar, de OB isch drei Johr älter worre«. Die starken Frauen im Gemeinderat beschrieben sie als »Alphamännchen der CDU«, »die Domina der Neuen Linie« und die »Mutter Teresa der SPD«. Fetzig das Finale der Poppel-Jugend, die die Hohentwielhistorie als Medley nutzten. Im Gegensatz zum letzten Jahr zwar wieder musikalisch richtig Klasse, aber mit deutlich weniger Biss gegen die Stadtoberen. Auch bei der Büttenrede – cool Simon Götz angesichts des heißen Sommers in der Sonnenliege – kamen die Stadtoberen um OB Häusler recht glimpflich weg. So war etwa dem frischen Poppele-Frisör-Salon vorbehalten, eine Breitseite gegen die Politik abzufeuern. »In der Politik hond mir nu mit schlecht frisierten Grünen kämpft, anstatt mit dene Dackel vu de AFD« Bestens moderiert von Zunftmeister Stephan Glunk wiederholten sich gerade bei den Nummern in der ersten Hälfte des Narrenspiegels leider die aufgeführten Ereignisse des Jahres manchmal. So wurden das Nichtschlagen der Glocken von Herz-Jesu, die Baustellen und vieles andere sowohl beim Auftritt der Narreneltern, von Babsy und Benedikt und dem Poppelechor aufgezeigt. Originell die Passage, wo der Chor angesichts der Parkplatzprobleme in Singen singt, »ich fahr gleich mal zu MAC2, in diesem neuen Parkhaus ist bestimmt was frei.« Komplettiert von Tanznummern der Mini-Tanzgruppe und Kindertanzgruppe sowie der Tanzgruppe Inge klang der mehr als unterhaltsame fast vierstündige Abend im geselligen Barbetrieb aus.

Quelle: Singener Wochenblatt, 10.02.2019 von Stefan Mohr