Lesen Sie zu den Figuren der Poppele-Zunft auch die Chronik von Hans Maier

Der Poppele und das Eierwieb

Poppele Timo Heckel u. Eierwieb Uwe Seeberger

Leitfigur der Zunft und Schirmherr der Singener Fasnet ist der Poppele, jene Gestalt, die an den historisch belegbaren Popolius Mayer von der Burg Hohenkrähen erinnert, der im 15. Jahrhundert ein Schalk und Tunichtgut gewesen sein muss, so dass er in den Poppelesagen weiterlebte.

Dem Poppele gesellt sich das Eierwieb zu, dem der Poppele nach der Sage einen Streich spielte, als er die mit einem Korb voller Eier auf dem Weg zum Markt sich befindende Frau als Felsblock getarnt beim Ausruhen störte, so dass die Eier aus dem Korb den Berg hinunterrollten, ohne allerdings dabei kaputtzugehen (Der Wortlaut der Sage findet sich bei “Der Poppele und das Eierwieb“). Das Eierwieb, das von einem Mann dargestellt wird, tauchte vor dem ersten Weltkrieg nur ab und zu auf; auch es gehört seit 1933 zum festen Inventar der Narrenfiguren.

Unsere Narreneltern

Narrenvadder Peter Kaufmann u. Narrenmodder Ekkehard Halmer
Die Narreneltern sind in Singen schon seit dem beginnenden 19. Jahrhundert nachweisbar. Die Narrenmutter wird dabei stets von einem Mann dargestellt. Zu den Aufgaben der Narreneltern gehört natürlich, dass sie für den Narrensamen verantwortlich sind, der den Fortbestand der Fasnet garantiert.

Unser Narrenbolizei

Narrenbolizei Rüdiger Grundmüller
Der Narrenbolizei gehört wie die Narreneltern zu den ältesten Singener Fasnetsfiguren. Er trägt stets die Schelle mit sich, die an die Dorfschelle der vergangenen Jahrhunderte erinnert, als Nachrichten im Dorf durch Ausrufen verbreitet wurden.

Hooriger Bär

Hooriger Bär
Der Hoorige Bär ist im 19. Jahrhundert belegt und aus einem einfachen Strohbären hervorgegangen. Er ist aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts vermutlich wegen der zunehmenden Industrialisierung Singens wieder aus der Öffentlichkeit verschwunden. Nach intensiven Studien wurde er 1949 wieder ins Leben gerufen. Man ersetzte das früher verwendete Roggenstroh beim neuen Häs durch Erbsenstroh. Jedes Jahr werden in der Poppele-Zunft Häser für vierzehn männliche Hästräger angefertigt. Damit man nicht, wie früher üblich, den Hästräger jedes Jahr aufs Neue mit Stroh einbinden musste, wird das Erbsenstroh, auf Drillichanzüge aufgenäht . Das hat den großen Vorteil, dass man das Häs komplett  an- u. ausziehen kann. Seit 1955 trägt der Hoorige Bär eine Scheme (Maske), die von Fritz Moser (Villingen) und später von Hans Jehle (Sulz a.N.) geschnitzt wurde. Der Hoorige Bär führt einen knorrigen Stock mit sich und kann mit diesem und der grimmig dreinblickenden Scheme sicherlich als eine Verkörperung des  Wilden Mannes gesehen werden. Die These, das Stroh als Sinnbild für das Leblose in Zusammenhang mit dem Winter bzw. den germanischen  Winteraustreibungskulten zu sehen, ist heute wissenschaftlich widerlegt. (vgl. Mezger, W. 1999, S. 58f)

Fellbär mit Treiber

Der Fellbär tritt wahrscheinlich erst seit dem letzten Jahrzent des 19. Jahrhunderts auf.
Nach einer Version sei er als Ersatz für den nur einmal zu tragenden Hoorig Bär zwischen 1890 – 1900 eingeführt worden. Wahrscheinlicher ist indessen, dass er ein Überbleibsel eines Fasnetspiels ist, und zwar wohl des Jahrmarktes von 1894, unter dessen Attraktionen sich auch ein Bär mit Bärentreiber befand.

Blätzlihansel (Hansele)

Hansele
Als charakteristisch für die Fasnetsgestalten in der Bodenseeregion gelten die mit mehrfarbigen Stoffblätzle zusammengesetzte Gewänder der Hansele. Das Singener Blätzlihansel ist seit Beginn des 19. Jahrhundert nachweisbar und wurde zusammen mit dem Hoorigen Bär 1949 wiederbelebt. Das Häs besteht aus Hose mit Kittel mit in gleicher Form gestanzten Blätzle mit genau festgelegten und in einer bestimmten Reihenfolge angeordneten Farbtönen (gelb, grün, braun, rot, blau). Dazu gehören ein Schweif mit Fuchsschwanz und eine schwarze Stoffmaske mit rot eingefassten Rändern bzw. Öffnungen. Ungefähr dreihundert kleine Schellen und die “Suubloodere” (eine aufgeblasene Schweinsblase) verleihen dem Blätzlihansel einen fröhlichen Charakter. Über den Ursprung der bunten Stoffgewänder kursieren teilweise überspitzte Vermutungen. Sehr nahe liegt die Überlegung, dass die Blätzlekleider für die frühere Generationen schlichtweg am billigsten herzustellen waren, weil sie einfach aus Resten zusammengeflickt wurden. Obwohl die Blätzlegewänder inzwischen zu textilen Kunstwerken veredelt wurden und viele von ihnen recht freundliche Züge tragen, stehen diese Gestalten in Verbindung mit dem Allerweltsnamen Hans: Die Benennung Hansele ist ein Hinweis, dass diese Fasnetsgestalt für eine nicht ganz ernstzunehmende Person steht, was noch immer in „Hanswurst“ oder in dem Verb „hänseln“ zum Ausdruck kommt (vgl. Werner Mezger, “Das große Buch der schwäbisch-alemannischen Fasnet”, S. 51) . In der Poppele-Zunft gibt es ca. 100 Blätzlihansel, wobei alle Hästräger männlich sind.

Schellenhansel

Schellenhansel
Vor dem 2. Weltkrieg lief das Schellenhansel regelmäßig bei der Fasnet in Singen mit. Damals wurde das Häs überwiegend von Jugendlichen getragen. Nach dem Krieg wurde diese Figur dann nicht mehr mit Leben erfüllt, wahrscheinlich deshalb, weil mit dem Hoorigen Bären und dem Blätzlihansel zwei Narrentypen aus dem alten Singener Dorf wieder belebt wurden. Ein weiterer Grund dürfte wohl auch gewesen sein, dass diese Art von Narrenkleid zu karnevalistisch erschien. Dabei hat der Schellenhansel eine Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurück reicht. So wurde in der Poppele-Chronik beim Jahr 1894 auf ein Schellenhansel im Hintergrund eines Bildes hingewiesen, dass diese Narrenhäser Jahrzehnte in der Singener Fasnet üblich waren. Nach der Jahrhundertwende verschwand der Schellenhansel aus dem Bild der Singener Fasnet und kehrte erst 1934 wieder zurück. Damals wurde von der NS-Regierung die Wiederbelebung traditioneller Bräuche gefördert. Von da an war der Schellenhansel wieder fester Bestandteil der Singener Fasnet bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges. So nahm die Poppele-Zunft im Februar 1938 mit einer Gruppe Schellenhansel am Großen Narrentreffen in Überlingen am See teil. Heute, über 60 Jahre Späte erlebt der Schellenhansel sozusagen seine dritte Geburt. Nachdem aus der Gruppe der Rebwieber vermehrt der Wunsch kam, auch als weibliches Zunftmitglied maskiert an der Fasnet teilnehmen zu können, kam ein Rebwieb auf die Idee, diese schöne, alte Narrenfigur wieder mit Leben zu erfüllen und zusätzlich mit einer Drahtgazemaske zu versehen.  Die Gruppe der Schellenhansel ist ausschließlich den weiblichen Mitgliedern der Zunft vorbehalten.
Schellenhansel 1930er Jahre

Rebwieber

Nach dem 2. Weltkrieg traten die Zunftoberen an die spätere 1. Rebwiebermodder Frieda Pfoser heran, für die Poppele-Zunft eine Frauengruppe zu gründen, mit einer geeigneten, der alten Dorffasnet gerecht werdenden Frauentracht. Ihr Vorschlag, die „Hobieler-Rebwieber“, die an der Fasnet 1936 schon in Erscheinung traten und an jene Frauen erinnern, die früher in den Rebbergen am Hohentwiel bei der Weinlese tätig waren, wieder zu gründen, fand großen Anklang und so wurde dies 1952 in die Tat umgesetzt. Die Häser der Rebwieber bestanden einheitlich aus Bluse, Rock, Schürze, Kopftuch, Vespersäckle, blau-weiß geringelte Strümpfe und anfangs einer Vollmaske, die damals bei allen Veranstaltungen und Umzügen getragen werden musste.
1953 traten die neuen Rebwieber erstmals in größerer Zahl am Zunftball und an den Umzügen auf, wo sie mit ihrem umtriebigen Wesen gern gesehen waren. Heute gibt es ca. 250 Rebwieber, die größte Gruppe der Zunft. Es ist traditionell vieles noch gleich wie vor 50 Jahren und das Häs besteht auch noch so wie damals, allerdings ohne Maske.

Zunftgesellen

Die Zunftgesellen gehören ebenfalls zu den Traditionsfiguren der Singener Fasnet. Schon bald nach der Jahrhundertwende traten sie in ihren Fuhrmannsgewändern als “Schaffer” in Erscheinung. Zu ihrer Hauptaufgabe gehört das Fällen und Setzen des Narrenbaumes. Sie trugen Bauernkittel und Zipfelmützen, Halstuch und Stiefel. Aus dieser Waldarbeiterkleidung leitet sich die heutige Zunftkleidung ab. Allerdings hatten sie früher keine andere Bezeichnung als Narrenbaumholer, vorübergehend hießen sie Laufnarren und erst seit 1933 Zunftgesellen  Heute springen die Zunftgesellen überall ein wo es etwas handwerkliches zum Schaffen gibt.
Im Jahre 2013 blickten die Zunftgesellen ihr 80-jähriges Jubiläum.

Fanfarenzug

Seit 1955 hat die Zunft ihren eigenen Fanfarenzug. Der FZ tritt nicht nur an der Fasnet auf, sondern in seinen historischen Landsknechtsuniformen auch bei anderen Anlässen unterm Jahr (z. B. bei Wertungsspiele in Schriesheim und beim Schlossstraßenfest). Sein Repertoire reicht von  den traditionellen Fanfarenzugmärschen bis hin zur Adaption von modernen Schlagern. 
Im Jahr 2015 feierte der FZ sein 60-jähriges Jubiläum.

Zur Webseite des FZ

Poppele-Jugend

Poppele-Jugend beim Narrenbaumfällen

Im Bewusstsein, dass es auch für die Poppele-Zunft angesichts der demographischen Entwicklung immer wichtiger wird, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse am fasnächtlichen Brauchtum zu wecken bzw. zu erhalten, wollen wir die bisher schon bestehenden guten Angebote intensivieren und erweitern. Dabei wollen wir alle Kinder und Jugendliche, die ein Häs tragen, ansprechen und durch einige Veranstaltungen unterm Jahr näher an die Fasnet heranbringen. Ein besonderer Schwerpunkt soll auch auf dem gegenseitigen Kennenlernen liegen, was dazu führen soll, dass die Kinder und Jugendlichen an der Fasnet selbst nicht alleine, sondern mit ihren gleichaltrigen Zunftfreunden unterwegs sein können. Wir werden wir keine regelmäßigen Treffen durchführen, sondern vielmehr werden wir im Jahr verteilt einige Veranstaltungen anbieten, von denen wir zwei als Pflichtveranstaltung für alle Kinder und Jugendlichen betrachten, bei denen wir intensiv über fasnächtliche Themen sprechen wollen. Andere Angebote, die wir machen, sind dann freiwillig, wobei wir natürlich hoffen, dass möglichst viele auch zu diesen Terminen kommen werden.
Seit 1994 gibt es die eigenständige Gruppe der Poppele-Jugend, die 25 Jahre später über 100 Kinder und Jugendliche umfasst.

Das Poppele-Jugend-Team v.l.: Barbara Waibel, Rudi Hein, Carolin Henninger, Marco Stemmer, Sabine Skowronek, Udo Klaiber, Larissa Merz