Neues Motto: Mached langsam, s‘ pressiert

Neues Fasnetmotto: "Mached langsam, ´s pressiert!"

Der Poppele steigt aus seiner Gruft an Martini

Martinisitzung im Gems-Saal, der Poppele entsteigt der Gruft und die Rathaus-Spitze klettert auf die Bühne

VON MATTHIAS BIEHLER, Südkurier, 11.11.2019

Das hat Tradition unterm Hohentwiel: erst geht alles ganz langsam – und am Ende pressiert’s. Angefangen beim FC Singen 04, der es diese Saison auch ganz langsam hat angehen lassen und jetzt plötzlich merkt, das es eilt, wenn man den Klassenerhalt packen will, bis zum Bad im Bodensee: Nur noch 19 000 Jahre dauere es, bis er mit Geröll zugeschoben sein wird. Da sollte man sich sputen, für den nächsten Sprung ins Wasser – so Zunftkanzler Ali Knoblauch bei der Martini-Sitzung der Poppelezunft am 11.11. im Saal der Singener Gems. „Mached langsam, s‘ pressiert“, heißt denn auch das Motto zur Fasnet in Singen – ausgedacht von Narrenbolizei Rudi Grundmüller.

Eine neue Saison, ein neues Motto – vieles war neu bei diesem Start in die Fasnetsaison: Erstmals galt Selbstbedienung im Saal, Zunftmeister Stephan Glunk konnte nach der Kommunalwahl neue Gemeinderäte begrüßen – unter anderem Klaus Bach als den Vörzeigegrünen der CDU – und das Narrenlochvermessungskommando NLVK ist wieder da: „Nach langem Verschollensein zurückgekommen“ buchstabierte Narrenmodder Ekke Halmer. Wie viele Martini-Gäste auf der neuen Fahrradstraße zur Fasneteröffnung geradelt sind, blieb im Dunkeln.

Ganz flink sei lediglich OB Häusler, der Fahrradstraßenkönig im Hegau. Während Konstanz den Klimanotstand ausrufe, poliere Singen das Klimaschutzimage. „Aber im Ernst, auf das Wörtchen Klima könnten sie in Konstanz auch verzichten“, so Knoblauchs Appell Richtung Kreisstadt. Häusler jedenfalls kam zu Fuß vom Rathaus zur Gems.

Denn auch in Singen sei der Notstand auszumachen, beispielsweise auf dem frisch sanierten Herz-Jesu- Platz: „Für manche ist es Kunst im öffentlichen Stil, für mich hingegen war da ganz schön viel Rothaus im Spiel“, reimte Knoblauch trocken. Noch ergriffener blickt er zur Mehrzweckhalle, die in Beuren auf den Namen Curana getauft wurde: „Wenn man nach dem Namen geht, waren da mehr Drogen als Alkohol im Spiel“, so Knoblauchs nüchternes Fazit. Und die neue Fahrradstraße in Singen kommentierte er unter dem tobenden Applaus der Besucher: „Die zwei Stückle so zu nennen, dazu gehört schon Mut.“

Mut mussten das Seifried und Häusler beweisen, über den Ratstisch klettern und das Geheimnis der gesperrten Burgruine aufdecken. Unter der Anleitung des Zunftmeisters konnten sie die Fakten aufdecken: Die Hontesscharrer unterminieren den Berg – und das obwohl der 30-jährige Krieg längst zu Ende ist. „Zeitunglesen hilft manchmal eben doch“, sagt Glunk – zum Beispiel die SÜDKURIERSommerserie „Gedächtnis der Region“. Nur wer sich die historischen Ausgaben der Tageszeitung aufgehoben habe, könne sich in den Sommerwochen das Abo sparen…

Zum Schluss blickte er stolz nach vorn: Vertreter der traditionsreichen Vereinigung schwäbischalemannischer Narrenzünfte (VSAN) treffen sich zur Hauptversammlung am 10. und 11. Januar in Singen. „Die Scheffelhalle wird närrisch geschmückt zum Tagungssaal“, kündigte Zunftmeister Stephan Glunk zur Martinisitzung der Narrenzunft an. Der 1924 in Villingen gegründete Verband ist mit 68 Narrenzünften aus Deutschland und der Schweiz eine der größten und ältesten Narrenvereinigungen im deutschsprachigen Raum.