Die Fasnet-Saison wird bunt

Die Fasnet in Singen ist nichts für Leute, die nicht wetterfest sind oder Platzangst haben. Dies bewahrheitete sich wieder beim Auftakt in die fünfte Jahreszeit im Rahmen der Martini-Sitzung der Poppele-Zunft bei Regen draußen und sehr beengten Platzverhältnissen drinnen. Trotzdem war die Stimmung in der Gems erwartungsvoll, als Zeremonienmeister Ingo Arnold „Hoorig, hoorig, hoorig isch de sell“ anstimmte und der Fanfarenzug mit einem Udo Jürgens-Medley die Narren in Stimmung brachte.
Als Uwe Seeberger am Akkordeon den Gesang zu „S’goht degege, Mamme häng de Schurz a d’Wand. Hei etz mach di doch weng nett!“ begleitete, war der Boden für Zunftmeister Stephan Glunk bereitet, der nach der Begrüßung aller Narren gleich ordentlich vom Leder zog und den Singener Lokalchef des SÜDKURIER dafür rügte, die Poppele-Zunft in einem Artikel als altbacken und bieder bezeichnet zu haben, wofür sich dieser vor den Narren noch zu verantworten habe.
Als nächstes nahm er Oberbürgermeister Bernd Häusler aufs Korn, der vehement für Tempo 30-Zonen in Singen eintrete, aber kürzlich in Freiburg in einer solchen geblitzt worden sei. Dann endlich war es soweit, Zunftgeist Poppolius alias Timo Heckel stieg unter Nebelschwaden aus seiner kalten Gruft und eröffnete die Fasnet-Saison zusammen mit dem Hoorige Bär, dem Schellenhansel, dem Rebwieb und den anderen Figuren der Poppele-Zunft. Dann stand der Jahresrückblick von Zunftkanzler Ali Knoblauch an. Wie viel in der Stadt los war, zeigte sich an der kurzweiligen Büttenrede des Zunftkanzlers. Im Mittelpunkt stand der Bauboom in Singen und dass die Narren dem Conti, nun, dass es weg sei, nachweinten, weil man ihnen damit eines ihrer Hauptthemen genommen habe. Auch das neue MAC¦2-Museum war Thema: dieses sei monumental und wild geraten; Hermann Maier sitze sicher zuhause und grüble über MAC¦3. Ali Knoblauch monierte, dass die Kirchenglocken der Herz-Jesu-Kirche nicht mehr läuten dürften, aber die Fahrer aufgemotzter Kisten nachts mit lautem Krach von ihren Freiheiten kündeten.
Zunftmeister Stephan Glunk verkündete das Fasnetmotto, das „Lond au d’¦Kirch im Dorf“ lautet und zu dem Narrenmodder Ekke Halmer die Rede hielt. Die letzte Strophe fasst das Wesentliche zusammen: „Jeder klagt und jammert rum, ich finde des manchmal ganz schö dumm, es ist oft wirklich allerhand, e Mücke wird en Elefant. Lond au d’ Kirch im Dorf ihr Leut, sag ich euch besonders heut, habt Humor und recht viel Freud.“
Neue Gesichter in den wichtigen Gremien
Die Zeremonie: Zunftmeister Stephan Glunk nahm die Neuen in den Poppele-Rat auf, wobei die neuen Ratsmitglieder bei der Vereidigung ihre linke Hand auf der Schatulle mit der Hirnschale des Poppele legen mussten. Der Poppele-Rat führt die Geschäfte der Zunft nach Maßgabe der Satzung. Der Rat trägt die Verantwortung für die Leitung des Vereins.
Neue Mitglieder: Neu in den Rat berufen wurden die neue Rebwiebermodder Bettina Kraus, die Schellenhanselmodder Sabine Dietz, Fanfarenzugchef Adriano Fernandes und Marc Burzinski als Vorsitzender des Zunftschüürfördervereins.
In den Ehrenrat der Singener Poppele-Zunft aufgenommen wurden Karl Denzel als ehemaliger Vorsitzender des Zunftschüürfördervereins und Angelika Waibel-Willam als ehemalige Rebwiebermodder. Auch Heike Osann, ehemalige Rebwiebermodder, ist neu im Ehrenrat genauso wie Andrea Rudolph, die amtierende Sprecherin der Schellenhansele, die dafür sorgte, dass die Figur des Schellenhansele vor etlichen Jahren wiederbelebt werden konnte.
Quelle: Südkurier Singen, 12.11.2018 von Elmar Veeser

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