Ein Wochenende für 800 Narren

Wie sich die Poppele auf Besuch der VSAN vorbereiten

800 Narren in der Stadt und kaum einer wird etwas mitbekommen: Am 10. und 11. Januar trifft sich die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte in Singen. Für die Poppele-Zunft bedeutet das viel Arbeit. Und Erinnerungen.

Von ISABELLE ARNDT, Südkurier, 05.01.2020

 

Dekoration Scheffelhalle
Sie hängen die erste Dekoration in der Scheffelhalle auf: Hannes Stengele und Philipp Gaiser (von links) bereiten sich auf die Hauptversammlung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte am zweiten Januar-Wochenende vor.

Noch ist bei Stephan Glunk von Aufregung nichts zu merken. Dabei hat er sich für das nächste Wochenende Gäste eingeladen. Viele Gäste. Rund 800 Gäste aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der Vereinigung Schwäbisch- Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Der Zusammenschluss von 68 Zünften beginnt das neue Jahr nämlich wie viele andere Vereine auch: mit einer Hauptversammlung. Dabei gibt es eine gewöhnliche Tagesordnung, neben Berichten geht es um die Wiederwahl des Landschaftsvertreters für den Hochrhein. Für die Poppele-Zunft bedeutet das aber einen ungewöhnlichen, herausfordernden Start in die Fasnet.

Rund 200 Zunftmitglieder werden am Wochenende des 10. und 11. Januar im Einsatz sein, schätzt Glunk. Es braucht Fahrer für den Shuttle-Service zu den Hotels, ein Team für die Bewirtung und eine Bühnenmannschaft, um nur einige Beispiele zu nennen. Und die Aufbauarbeiten haben bereits begonnen. „Das Engagement ist ganz hervorragend“, sagt der Zunftmeister. Dabei kam die Poppele-Zunft eher zufällig zu der Ehre: Normalerweise stehe bereits zwei Jahre vorab fest, wo die nächsten beiden Hauptversammlungen stattfinden sollen. Doch vor einem Jahr war der Ort für 2020 noch unklar.

„Es wird zunehmend schwieriger, Ortschaften zu finden, wo das möglich ist“, schildert Glunk: Mal scheitere es an der Hallengröße, mal an hohen Auflagen oder Übernachtungsmöglichkeiten. Glunk sei bei der Sitzung vor einem Jahr angefragt worden. Lange nachdenken konnte er nicht: Prompt sei verkündet worden, dass die Poppele die nächste Hauptversammlung ausrichten werden – und das tun sie nun auch.

Vor 27 Jahren war die VSAN schon einmal da

Dass zuletzt eine VSAN-Hauptversammlung in Singen stattfand, ist 27 Jahre her. Daran erinnert sich Stephan Glunk deshalb so genau, weil es damals sein erster offizieller Termin als Zunftmeister war, wie er sagt. „Heute habe ich da natürlich eine größere Ruhe als 1993“, sagt er lachend. Gewisse Präsidiumsmitglieder seien damals mit hohen Erwartungen nach Singen gekommen und hätten ein genaues Auge darauf geworfen, was er als junger, federführender Zunftvorsitzender organisiert hatte. Doch das habe überzeugt: Der Bunte Abend sei spektakulär gewesen und die Bilder, die damals aufgenommen wurden, sehe er heute noch in Zunfthäusern befreundeter Narren. Ob wieder die wichtigsten Figuren jeder Zunft abgelichtet werden sollen, sei noch zu überlegen, sagt Stephan Glunk.

Eine Doppelbelastung: Fasnacht und Hauptversammlung mussten geplant werden

Vieles steht hingegen schon seit Monaten fest: Kaum kehrten sie vor fast genau einem Jahr nach Singen zurück, begannen sie mit den Planungen und klärten die Hallenbelegung für Januar 2020 ab. Doch die Stadthalle war schon belegt. Das ist ein Glück für die Narren, wie Glunk berichtet, denn in der Scheffelhalle, die sie nun einfach vier Wochen eher gemietet haben als sonst, würden Erinnerungen wach.

Dort wurde 1957 erstmals ein Narrenspiegel aufgeführt, das Flair sei mit der modernen Stadthalle nicht vergleichbar. Natürlich sei die Stadthalle praktischer Hin der Scheffelhalle müssten sie sich beispielsweise hinter der Bühne umziehen, schildert Glunk, da könne es dann mal eng werden. Auch vor der Bühne ist der Platz begrenzt: Weil nur 600 Sitzplätze möglich sind, wird ein Teil der Narren bereits in der Zunftschüür feiern.

„Jede Zunft bringt zwischen sieben und 20 Leute mit“, schätzt Stephan Glunk und rechnet mit 800 Gästen. Man treffe sich bei solchen Gelegenheiten ja auch und habe gemeinsam eine gute Zeit. Nach dem bunten Abend sollen alle in der Scheffelhalle zusammen kommen – befreundete Zünfte werden vor Ort sein, um die Vielfalt der Singener Fasnet zu präsentieren. Bis in die Nacht kann anschließend mit der Tom Alex Band gefeiert werden, dafür sind die Galerie und drei Bars geöffnet.

Auch wenn sich viele Narren treffen, wird es kein Narrentreffen sein: Die Narren besprechen sich intern, einen Umzug gibt es nicht und der Bunte Abend ist den Gästen Vorbehalten. Und so bekommt der normale Singener vermutlich wenig mit von den vielen Besuchern, die Stephan Glunk mit den Poppele nach Singen eingeladen hat.